Am 4. September 2026 veröffentlichte die Hackergruppe Rhysida Daten aus dem Berliner Landesnetz. Zuvor hatte sie das Land Berlin erpresst. 30 Bitcoin, ungefähr zwei Millionen Euro, lautete die Forderung. Berlin zahlte nicht.
Die betroffenen Verwaltungen waren zu diesem Zeitpunkt längst vom Netz getrennt. Forensische Untersuchungen liefen. Krisenstäbe waren eingerichtet. Sicherheitsbehörden waren eingeschaltet. Der Staat reagierte.
Und doch war der entscheidende Moment bereits vorbei.
Die Angreifer hatten sich Zugang verschafft, Daten kopiert und die Kontrolle über den Zeitpunkt der Veröffentlichung gewonnen. Berlin konnte noch entscheiden, ob es Lösegeld zahlt. Aber nicht mehr, welche Informationen sich bereits außerhalb der eigenen Systeme befanden.
Nach Angaben des Landes Berlin behauptete Rhysida, über 5,7 Terabyte gestohlener Daten zu verfügen. Medien berichteten später von rund 1,44 Millionen Dateien und 5,8 Terabyte. Die Berliner Datenschutzaufsicht bestätigte einen umfangreichen Datenabfluss und eine Veröffentlichung, betonte aber zugleich, dass der genaue Inhalt noch nicht vollständig gesichtet werden konnte.
Das ist mehr als ein Hackerangriff auf eine Verwaltung. Es ist ein Vorgeschmack auf eine Zukunft, in der Cyberangriffe nicht nur schneller, sondern auch intelligenter werden. Künstliche Intelligenz wird den Angriff nicht neu erfinden. Sie wird ihn industrialisieren.
Die Frage ist deshalb nicht mehr, ob deutsche Unternehmen angegriffen werden. Die Frage lautet: Wer wird künftig schneller sein, der Angreifer oder die Verteidigung?
Berlin ist kein Ausnahmefall
Die Versuchung ist groß, den Berliner Vorfall als weiteres Kapitel in der langen Geschichte deutscher Verwaltungsprobleme zu betrachten. Zu viele Zuständigkeiten. Zu alte Systeme. Zu wenig Zentralisierung. Zu langsame Digitalisierung.
Das mag alles eine Rolle spielen. Aber es greift zu kurz.
Berlin zeigt ein strukturelles Problem, das auch Unternehmen betrifft. Digitale Systeme sind heute nicht mehr nur Werkzeuge, die den Betrieb unterstützen. Sie sind der Betrieb. Wenn sie ausfallen, verändert sich nicht nur die Geschwindigkeit eines Unternehmens. Es verändert sich seine Fähigkeit, zu produzieren, zu kommunizieren, zu liefern und Entscheidungen zu treffen.
Die ersten Reaktionen auf den Angriff waren deshalb noch keine Lösung. Systeme wurden isoliert. Der Internetzugang wurde eingeschränkt. Untersuchungen wurden eingeleitet. Das war notwendig. Aber es war die Reaktion auf einen Kontrollverlust, nicht dessen Vermeidung.
Die Berliner Datenschutzaufsicht weist inzwischen darauf hin, dass möglicherweise personenbezogene Daten von Beschäftigten, Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen veröffentlicht wurden. Sie warnt vor Folgeangriffen, Phishing und Identitätsmissbrauch. Auch Informationen über kritische Einrichtungen könnten missbraucht werden, sofern sich die entsprechenden Medienberichte bestätigen.
Der Schaden eines Cyberangriffs entsteht also nicht zwingend in dem Moment, in dem ein System verschlüsselt wird. Er kann Wochen oder Monate später entstehen. Eine gefälschte Zahlungsaufforderung wirkt glaubwürdig, weil ein Angreifer interne Daten kennt. Ein Mitarbeiter wird gezielt angesprochen, weil seine Funktion und sein beruflicher Hintergrund veröffentlicht wurden. Ein Sicherheitsrisiko entsteht, weil technische Informationen über eine Infrastruktur nach außen gelangt sind.
Der Angriff endet nicht mit der Pressemitteilung. Er beginnt dort erst für viele Betroffene.
Deutschland kennt die Zahlen
Die Bedrohung ist nicht abstrakt. Das Bundeslagebild Cybercrime 2025 weist rund 334.000 registrierte Cybercrime Fälle aus. Die Bundesregierung geht zugleich von einem erheblichen Dunkelfeld aus. 1.041 Ransomware Angriffe wurden 2025 angezeigt. Das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der DDoS Angriffe stieg um 25 Prozent auf 36.706 Fälle. Besonders betroffen waren Unternehmen, Behörden, Verwaltungen sowie Verkehrs- und Logistikunternehmen.
Noch härter fällt der Blick auf die Wirtschaft aus. Laut Bitkom waren 87 Prozent der befragten Unternehmen im vergangenen Jahr von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen oder vermuteten eine Betroffenheit. 73 Prozent der betroffenen Unternehmen berichteten von Angriffen auf Informations- oder Produktionssysteme. Der Gesamtschaden wurde auf 289,2 Milliarden Euro beziffert. Rund 70 Prozent davon entfielen auf Cyberattacken.
Diese Zahlen sind kein vollständiges Register aller Angriffe. Sie beruhen auf einer Befragung von 1.002 Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten und mindestens einer Million Euro Jahresumsatz. Aber gerade für den Mittelstand zeigen sie eine Wirklichkeit, die lange verdrängt wurde: Cybersecurity ist keine Spezialfrage der IT Abteilung mehr. Sie ist eine Frage der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit.
Die größten Schäden entstehen dabei nicht nur durch Lösegeld. Sie entstehen durch Produktionsausfälle, gestohlene Geschäftsgeheimnisse, Rechtsstreitigkeiten, Ersatzmaßnahmen, Datenschutzfolgen und verlorenes Vertrauen. Allein der Ausfall oder die Beschädigung von Informations- und Produktionssystemen verursachte laut Bitkom 73,3 Milliarden Euro Schaden.
Ein Unternehmen muss daher nicht erst vollständig stillstehen, um schwer getroffen zu sein. Es reicht, wenn seine Abläufe unzuverlässig werden. Wenn Liefertermine nicht mehr eingehalten werden. Wenn Kunden an der Vertraulichkeit zweifeln. Wenn die Geschäftsführung nicht weiß, welche Daten bereits abgeflossen sind.
KI macht beide Seiten schneller
Künstliche Intelligenz verändert diese Lage auf beiden Seiten.
Angreifer können KI einsetzen, um Phishing Nachrichten sprachlich glaubwürdiger zu formulieren, Inhalte an bestimmte Zielpersonen anzupassen und große Mengen an Kommunikation zu automatisieren. Sie können gestohlene Daten schneller auswerten und mögliche Angriffspunkte priorisieren. Sie können Routineaufgaben in der Angriffskette beschleunigen, ohne für jeden Schritt eigene Spezialisten zu benötigen.
Das Bundeskriminalamt beschreibt Cybercrime as a Service bereits als arbeitsteilig organisierte Schattenwirtschaft. Zugänge, Schadsoftware, Infrastruktur und Erpressungsdienstleistungen werden auf spezialisierten Märkten angeboten. Künstliche Intelligenz kann diese Arbeitsteilung weiter skalieren.
Dabei sollten wir nicht in eine neue Form der Technikpanik verfallen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik betont, dass es derzeit noch keine autonomen Hackeragenten gibt. KI ersetzt den Angreifer nicht. Sie macht ihn leistungsfähiger.
Das ist trotzdem eine enorme Veränderung. Ein mittelmäßiger Angreifer kann mit besseren Werkzeugen überzeugender auftreten. Ein kleines kriminelles Team kann mehr Ziele bearbeiten. Eine bekannte Angriffsmethode kann schneller angepasst und auf unterschiedliche Unternehmen zugeschnitten werden.
Die Angriffe werden nicht unbedingt spektakulärer. Sie werden billiger, persönlicher und schwerer zu erkennen.
Genau darin liegt die Gefahr für Unternehmen. Viele Sicherheitsmaßnahmen basieren noch auf der Vorstellung, dass ein Angriff ein einzelnes Ereignis ist. Eine verdächtige E-Mail. Ein Schadprogramm. Ein verschlüsselter Server. In Zukunft müssen Unternehmen stärker mit Angriffsketten rechnen, die sich dynamisch anpassen und aus vielen kleinen, zunächst unscheinbaren Schritten bestehen.
Der Verteidiger braucht keine Magie
Künstliche Intelligenz kann Unternehmen dabei helfen, diese Geschwindigkeit aufzuholen. Aber sie ist kein magisches Schutzschild.
Ihr größter Wert liegt zunächst in der Auswertung. Unternehmen erzeugen jeden Tag riesige Mengen an Logdaten, Netzwerkverkehr, Anmeldeinformationen und Systemmeldungen. Menschen können diese Daten nicht vollständig und in Echtzeit prüfen. KI Systeme können Auffälligkeiten erkennen, Muster vergleichen und Warnungen priorisieren.
Ein ungewöhnlicher Zugriff aus einem fremden Land ist für sich genommen noch kein Beweis für einen Angriff. Wenn gleichzeitig große Datenmengen kopiert werden, ein Nutzerkonto zu ungewöhnlichen Zeiten aktiv ist und mehrere Systeme neue Berechtigungen erhalten, entsteht ein anderes Bild. KI kann solche Zusammenhänge schneller sichtbar machen.
Sie kann außerdem beim Schwachstellenmanagement helfen. Welche Systeme sind veraltet? Welche Sicherheitslücke betrifft tatsächlich die eigene Infrastruktur? Welche Schwachstellen sind öffentlich bekannt, aber noch nicht behoben? Wo liegen besonders exponierte Schnittstellen? Eine gute KI Anwendung kann aus einer unübersichtlichen Liste eine risikoorientierte Reihenfolge machen.
Auch Phishing und Betrug lassen sich mit KI besser erkennen. Verdächtige Absender, ungewöhnliche Zahlungsaufforderungen, Abweichungen vom normalen Kommunikationsverhalten oder gefälschte Identitäten können automatisch geprüft werden. Bei sensiblen Vorgängen kann ein System eine zusätzliche Bestätigung verlangen, bevor Geld überwiesen oder eine vertrauliche Datei versendet wird.
Im Ernstfall kann KI die Reaktionszeit verkürzen. Sie kann betroffene Systeme eingrenzen, erste technische Maßnahmen vorschlagen und Sicherheitsverantwortliche auf die wahrscheinlich wichtigsten Schritte hinweisen.
Das BSI nennt genau diese Richtung: bessere Angriffserkennung, Schwachstellenmanagement, resiliente IT Infrastrukturen, Prävention gegen Social Engineering, Mehrfaktor Authentifizierung und Zero Trust. KI kann diese Maßnahmen verstärken. Sie ersetzt sie nicht.
Die entscheidende Unterscheidung lautet deshalb:
KI ist kein Schutzschild. KI ist ein Verstärker.
Sie verstärkt die Geschwindigkeit der Verteidigung. Sie verstärkt aber auch die Geschwindigkeit des Angriffs.
Sicherheit beginnt nicht beim Modell
Die wichtigste Frage eines Unternehmens lautet deshalb nicht: Welches KI Sicherheitssystem kaufen wir?
Die wichtigere Frage lautet: Welche Entscheidungen müssen wir schneller treffen können?
Wer ist im Ernstfall verantwortlich? Welche Systeme dürfen automatisch isoliert werden? Welche Daten sind besonders sensibel? Wie wird eine verdächtige Zahlung blockiert? Wann wird die Polizei eingeschaltet? Wer informiert Kunden und Beschäftigte? Wie wird ein Notbetrieb organisiert?
Diese Fragen klingen weniger spektakulär als ein neues KI Modell. Sie entscheiden aber darüber, ob KI im Ernstfall Wirkung entfalten kann.
Ein System kann nur dann ungewöhnliche Datenbewegungen erkennen, wenn relevante Daten überhaupt erfasst werden. Es kann nur dann Risiken priorisieren, wenn die eigene IT Landschaft bekannt ist. Es kann nur dann Maßnahmen auslösen, wenn Verantwortlichkeiten und Freigaben geklärt sind.
Das ist der Punkt, an dem viele Unternehmen noch schwach sind. Laut Bitkom verfügen 59 Prozent der befragten Unternehmen über ein Notfallmanagement. Das bedeutet zugleich, dass bei einem erheblichen Teil der Unternehmen keine ausreichend strukturierte Vorbereitung auf den Ernstfall vorhanden ist.
Die Zukunft der Cybersecurity wird daher nicht durch die Unternehmen entschieden, die am meisten über künstliche Intelligenz sprechen. Sie wird durch jene Unternehmen entschieden, die ihre Prozesse so ordnen, dass KI überhaupt sinnvoll eingesetzt werden kann.
Resilienz statt Sicherheitsillusion
Deutschland arbeitet inzwischen an einer stärkeren Sicherheitsarchitektur. Mit dem NIS2 Umsetzungsgesetz gelten seit dem 6. Dezember 2025 Registrierungs- und Meldepflichten für betroffene Unternehmen und Organisationen. Die Bundesregierung plant zusätzliche Fähigkeiten für BSI, BKA und Bundespolizei und arbeitet an Konzepten wie dem Cyberdome.
Das ist notwendig. Aber kein Gesetz und kein staatliches Schutzkonzept kann die Verantwortung eines Unternehmens vollständig übernehmen.
Sicherheit bedeutet, Angriffe möglichst zu verhindern. Resilienz bedeutet, nach einem Angriff handlungsfähig zu bleiben. Beides gehört zusammen. Wer nur auf Prävention setzt, wird von einem erfolgreichen Angriff überrascht. Wer nur auf Wiederherstellung setzt, akzeptiert womöglich, dass sensible Daten unbemerkt abfließen.
Der Berliner Vorfall macht diese Lücke sichtbar. Die Verwaltungen konnten reagieren. Sie konnten Systeme isolieren. Sie konnten Krisenstäbe bilden. Aber die Frage, welche Daten abgeflossen und veröffentlicht worden waren, blieb zunächst offen.
Genau diese Unsicherheit ist der neue Normalzustand, auf den sich Unternehmen vorbereiten müssen.
Nicht jede Organisation wird jeden Angriff verhindern können. Aber jede Organisation kann wissen, welche Daten besonders geschützt werden müssen. Jede Organisation kann ihre wichtigsten Prozesse priorisieren. Jede Organisation kann ihre Wiederanlaufzeiten testen. Jede Geschäftsführung kann festlegen, welche Entscheidungen im Ernstfall nicht erst im Krisenstab erfunden werden dürfen.
Der Bundesverband für KI-Transformation e.V. muss deshalb auch über Cybersecurity sprechen. Nicht als technisches Randthema, sondern als Teil einer verantwortungsvollen digitalen Transformation. Wer künstliche Intelligenz in Unternehmen bringt, muss gleichzeitig darüber sprechen, wie Systeme, Daten und Entscheidungsprozesse geschützt werden.
Die Geschwindigkeit entscheidet
Die Hacker bekommen KI. Das ist keine Zukunftsmusik. Die Werkzeuge existieren bereits, auch wenn die vollständig autonomen Angriffssysteme noch nicht Realität sind.
Unternehmen bekommen ebenfalls KI. Sie können sie zur Erkennung von Angriffen einsetzen, zur Analyse von Schwachstellen, zur Abwehr von Betrug und zur schnelleren Reaktion.
Aber der bloße Besitz eines Modells wird keinen Unterschied machen.
Die Organisation gewinnt, die ihre Angriffsfläche kennt, ihre Daten klassifiziert, ihre Verantwortlichkeiten klärt und ihre Verteidigung in den Betrieb integriert. Die Organisation gewinnt, die nicht erst nach dem Vorfall feststellt, dass niemand wusste, wer entscheiden darf.
Die Pointe lautet nicht, dass künstliche Intelligenz unsicher macht.
Die Pointe lautet, dass künstliche Intelligenz die Geschwindigkeit des Cyberraums erhöht. Wer seine Verteidigung nicht ebenso beschleunigt, bleibt nicht neutral. Er wird langsamer als sein Angreifer.
Und in einer digitalen Wirtschaft ist Langsamkeit kein Sicherheitskonzept.
Nicht jeder KI-Dienstleister ist ein Umsetzungspartner.
Genau deshalb bauen wir im Bundesverband für KI-Transformation e.V. das Venture AI Execution Partner Programm auf.
Wir suchen Unternehmen, Beratungen, Technologieanbieter und Umsetzungspartner, die KI nicht nur erklären, sondern tatsächlich in Organisationen bringen.
Mit belastbaren Lösungen. Mit nachweisbarer Kompetenz. Mit dem Anspruch, KI-Transformation messbar voranzubringen.
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Positionierung als qualifizierter Umsetzungspartner im Netzwerk des Bundesverbandes
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Einbindung in Projekte, Execution Teams und Initiativen
Sichtbarkeit über unsere Plattformen, Veranstaltungen und Formate
Vernetzung mit Entscheidern, Experten, Startups und Technologiepartnern
einem Qualitätsrahmen, der Kompetenz von bloßem KI-Marketing unterscheidet
Wichtig:
Venture AI Execution Partner kann nicht einfach jeder werden.
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Wir wollen kein möglichst großes Partnerverzeichnis.
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