Gleich zu Beginn dieses interaktiven Buchprojekts hatte ich eine aus der Sicht Vieler möglicherweise gewagte Behauptung aufgestellt: Dass nämlich die Themen „Marke“ und „Digitale Markenführung“ alles, wirklich alles betreffen; dass die digitale Markenführung so gut wie sämtliche Wissensbereiche einschließe, die der Mensch sich nur vorstellen kann. Das ganze Leben. Ein weiterer, diese Aussage untermauernder Beweis ist das Digital Brand Story Telling. Lassen wir einmal das „Digital“ weg und konzentrieren uns auf das Erzählen von Geschichten. Was zunächst sehr simpel erscheint, ist komplexer als die meisten vermuten dürften. Vermutlich wissen sogar die Wenigsten, was sie genau tun, wenn sie eine Story erzählen, dabei tun wir dies täglich etliche Male. Ob am Telefon, in sozialen Medien oder abends in der Kneipe. So manch einer dürfte sich zuweilen selbst beim Konfabulieren ertappen, Meister im Erfinden von Märchen und Sagen über sich selbst und den stinkgewöhnlichen Alltag. Das Wissensgebiet, auf das wir uns nun begeben, ist nichts weniger als die Literaturwissenschaft, genauer: Die Erzähltheorie. Nun will ich nicht in die letzten und kleinsten Details homo- bzw. heterodiegetischer sowie extra- und intradiegetischer, nullfokaler, fiktiver oder realer usw. usf. Erzählpositionen und –Modi eindringen. Auch beabsichtige ich nicht, obwohl es hochinteressant wäre, in die der Volkskunde zugehörenden Tiefen der Märchentheorie einzutauchen. Die Macht der Worte und Formulierungen Worum es mir geht, ist, darauf aufmerksam zu machen, dass das Erzählen von Geschichten, zu dem auch das Digital Brand Story Telling gehört, eine Kunst ist, die mit psychologischer Voraussicht und rhetorischer Raffinesse betrieben werden sollte, anderenfalls der Schuss böse nach hinten losgehen kann. Wer nämlich falsch erzählt, steht, vor allem wenn es um die Marke geht, schnell als Stümper da. Dennoch ist das Digital Brand Story Telling eine unverzichtbare Disziplin der digitalen Markenführung. Immer wollen wir Aufmerksamkeit, wollen uns positionieren und, differenzieren, ein interessantes, attraktives Image mit starker Sogwirkung erreichen. Entsprechend dürfen (nicht müssen!) wir unsere Brand Story gestalten. Viele Wege führen nach Rom, und es gibt unendlich viele Wege, etwas zu erzählen. Die interessantesten, „eigenartigsten“ Ideen entstehen in einem entspannten Gemütszustand. Am besten, wir lassen einfach der Phantasie ihren Lauf. Psychologen nennen es „freies Assoziieren.“ Keine Angst vor dem Chaos! Denn nach dem Chaos kommen die Bilder. „Nur wer noch Chaos in sich hat, kann einen tanzenden Stern gebären“, sagte Nietzsche. Die Ordnung entsteht im Verlauf des freien Assoziierens quasi von selbst, wenn wir uns die Vision der Marke vor Augen halten. Natürlich benötigen wir einen roten Faden, einen Helden (unsere Marke), der Abenteuer durchsteht, der Gegner besiegt, der Prüfungen besteht. Dabei liegt das Geheimnis der guten ganz besonders in der authentischen Präsenz: Dass wir dazu stehen, was wir erzählen. Und dass wir viel zu erzählen haben, weil wir selbst vo
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