Wenn die Behörde digital wird und Deutschland im Schneckentempo den Esten hinterher surft Wenn man davon redet, dass es Startups einfacher mit der Digitalisierung haben, als große Konzerne, da diese ja schon feste Strukturen haben und auch logistisch einfach viel größer und komplexer sind - dann ist in diesem Fall Estland das Startup und Deutschland der große Konzern. Während es nämlich Estland ganz leicht fällt, Verwaltungsaufgaben und überhaupt Großteile der Behörden digital abzuwickeln, scheint Deutschland mit so einer digitalen Verwaltung noch so einige Schwierigkeiten zu haben. Oder besser gesagt: Sie existiert in Deutschland nicht. Wollen wir doch mal genauer beleuchten, welche Vor- und welche Nachteile so eine digitale Behörde überhaupt hat, wie weit Deutschland davon entfernt ist und was passieren müsste, damit Deutschland so wie Estland den Sprung von der Arbeitswelt 4.0 in die Verwaltung 4.0 macht. Digitale Verwaltung - Was genau heißt das eigentlich? Hast du in letzter Zeit mal versucht, einen Termin beim Bezirksamt zu bekommen? Ich hatte das Vergnügen. Die Termine waren - ganz ähnlich wie bei einigen Fachärzten - bis auf mehrere Monate im Voraus ausgebucht. Und das nur, um ein Schriftstück abzugeben und eine Unterschrift zu bekommen. Ganz so schlimm ist es zum Glück nicht in jedem Fall, für die alltäglichen Behördengänge findet sich normalerweise noch ein Zeitslot, wenn auch meist in einem Bürgeramt, was weiter außerhalb liegt. Wer jedoch seinen Pass dringend noch vor dem Urlaub erneuern muss oder auf ein bestimmtes Bezirksamt angewiesen ist, der sollte entweder eine Stange Geld für die Express Ausstellung einplanen oder aber sehr viel Vorlaufzeit. Die Esten haben dieses Problem nicht mehr. Vieles wird inzwischen online erledigt. Von der An-, Um- und Abmeldung bis hin zu Wahlen. Ein paar Klicks, einige Pins und Sicherheitsfragen und schon kann man all diese Angelegenheiten von der heimischen Couch auch außerhalb der Öffnungszeiten erledigen. Das spart nicht nur Mühe, sondern auch diverse Kosten, zumindest auf lange Sicht. Der estländische Regierungsmitarbeiter und Digitalisierungs-Befürworter Indrek Õnnik spricht von einer jährlichen Ersparnis von 2% des BIP in Estland. In Deutschland wären das rund 60 Milliarden Euro. Und warum machen wir das noch nicht? Ja, das fragt man sich wirklich. Warum eigentlich nicht? Tatsächlich tun wir derzeit überhaupt noch recht wenig, um auch nur annähernd in diese Richtung zu gehen. Das sonst so innovative und hochentwickelte Deutschland liegt ganz schön weit hinten in der digitalen Verwaltung. Auf Platz 20 um genau zu sein und zwar nicht weltweit, sondern im Ranking der EU-Mitgliedstaaten. Festgehalten wird dies einmal im Jahr vom The Digital Economy and Society Index (DESI). Estland belegt Platz 1, wie auch schon im Vorjahr. Erschreckend ist aber vor allem, dass Deutschland es seit dem letzten Jahr sogar nochmal 2 Plätze runter geschafft hat. Das heißt, entweder lässt Deutschland nach oder alle anderen holen auf - bis auf Deutschland. In beiden Fällen: Keine Glanzleistung. Doch waru
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