Die große Enttäuschung nach der KI Euphorie
Viele Unternehmen haben KI eingeführt und sind trotzdem nicht weiter. Lizenzen gekauft, Tools ausprobiert, Pilotprojekte gestartet. Danach Stille. Keine neuen Geschäftsmodelle, keine spürbare Produktivität, keine echte Innovation. Was bleibt, ist Ernüchterung.
Das Gespräch mit Jan Groenefeld und Matthias Schmidt von ideastream.io macht deutlich, woran es wirklich hakt. Nicht an der Technologie. Sondern an falschen Erwartungen. KI wird behandelt wie eine Lösung, dabei ist sie nur ein Werkzeug. Und zwar eines, das erst dann Wirkung entfaltet, wenn Methode, Prozess und menschliche Kompetenz zusammenspielen.
KI ist kein Einführungsprojekt
Ein zentraler Satz aus dem Gespräch bleibt hängen. Unternehmen haben gar keine KI eingeführt. Sie haben Lizenzen gekauft.
Das ist mehr als Wortklauberei. Es beschreibt präzise den Denkfehler. KI wird konsumiert wie Software. Installieren, einloggen, loslegen. Doch Innovation funktioniert nicht so. Sie ist kein Feature, sondern ein Prozess.
Wer glaubt, mit Copiloten und Chatfenstern automatisch bessere Ergebnisse zu erzielen, überspringt die eigentliche Arbeit. Zieldefinition, methodische Klarheit, Entscheidungslogik. Genau hier scheitern viele Pilotprojekte. Nicht weil KI zu schlecht ist, sondern weil niemand weiß, wohin sie arbeiten soll.
Nicht jedes Problem ist ein KI Problem
Jan Groenefeld formuliert es ungewöhnlich scharf. Die Vorstellung, jedes Problem lasse sich mit KI lösen, ist eine Lüge. Ein Narrativ, getrieben von denen, die daran verdienen.
Viele der heutigen Engpässe sind keine KI Probleme, sondern ungelöste Digitalisierungsfragen. Unklare Prozesse, schlechte Kommunikation, fehlende Priorisierung. KI beschleunigt diese Defizite sogar. Sie erhöht die Entropie, statt Wertschöpfung zu erzeugen.
Das führt zu einem paradoxen Effekt. Je mehr Tools im Unternehmen sind, desto weniger Klarheit entsteht. Geschwindigkeit ohne Richtung ist kein Fortschritt.
Wertschöpfung statt Produktivität
Matthias Schmidt setzt einen bewussten Kontrapunkt zur üblichen Effizienzdebatte. Es geht nicht um Produktivität. Es geht um Wertschöpfung.
Produktivität misst Output. Wertschöpfung misst Wirkung. Für Unternehmen, aber auch für Gesellschaft.
Wenn KI lediglich dazu dient, Menschen zu ersetzen, entstehen zwar kurzfristige Effekte, aber langfristig ein Problem. Wirtschaft lebt davon, dass Menschen konsumieren, entscheiden, gestalten. Innovation darf nicht zu einer reinen Rationalisierungsmaschine werden.
Innovation ist ein soziotechnisches System
Beide Gründer beschreiben KI konsequent als Teil eines soziotechnischen Systems. Mensch und Maschine wirken nur gemeinsam.
Die Stärke von KI liegt nicht darin, Antworten zu liefern. Sprachmodelle rechnen Worte, keine Wahrheiten. Ihre eigentliche Kraft liegt darin, Menschen zum Denken zu bringen. Implizites Wissen sichtbar zu machen. Ideen zu schärfen.
Genau hier setzt Ideastream an. Nicht als KI Tool, sondern als methodischer Innovationscoach.
Warum Prompting keine Lösung ist
Ein zentraler Kritikpunkt am heutigen KI Einsatz ist die Abhängigkeit vom Prompting. Wer Innovation entwickeln will, muss wissen, was er fragen soll. Doch genau dieses Wissen fehlt oft.
Innovationsarbeit ist hochgradig erfahrungsabhängig. Methoden, Prozesslogik, Entscheidungsreihenfolge. All das lässt sich nicht einfach in ein Prompt gießen.
Ideastream ersetzt Prompting durch Prozess. Die KI kennt ihre Rolle, ihr Ziel und die nächste sinnvolle Frage. Der Nutzer muss keine Methode beherrschen, sondern wird durch sie geführt.
Johnny als digitaler Innovationscoach
Im Produkt übernimmt diese Rolle ein KI gestützter Coach. Er fragt nicht zufällig, sondern zielgerichtet. Von Idee zu Nutzerproblem. Von Bedarf zu Lösung. Von Annahme zu überprüfbarem Asset.
Entscheidend ist dabei ein Punkt. Die KI produziert keine fertigen Antworten. Sie befähigt Menschen, ihre eigenen Ideen zu explizieren.
Das Ergebnis sind verwertbare Artefakte. Ideenkarten, Personas, Prototypen, Landingpages. Dinge, mit denen gearbeitet werden kann. Intern, mit Kunden, mit Investoren.
Wenn Innovation wieder Spaß macht
Besonders eindrücklich ist das Beispiel eines hybriden Design Thinking Workshops mit Unternehmen wie Procter and Gamble, Lidl und DM.
Dort wurde Ideastream gezielt an den Stellen eingesetzt, an denen klassische Workshops ausbremsen. Dokumentation, Persona Erstellung, Prototyping. Die eigentliche Aushandlung blieb beim Team. Die Workaround Arbeit übernahm die Maschine.
Das Ergebnis war nicht nur Geschwindigkeit. Es war Begeisterung. Menschen, die sich zuvor für nicht kreativ hielten, präsentierten belastbare Konzepte. Innovation wurde anschlussfähig.
Ein neues Betriebssystem für Innovation
Ideastream richtet sich bewusst an Gründerzentren, Innovationsabteilungen, Accelerator Programme und Corporates. Überall dort, wo viele Ideen auf wenig Zeit treffen.
Der Nutzen liegt auf beiden Seiten. Teams lernen den Prozess hands on. Berater und Entscheider gewinnen früh Transparenz und Vergleichbarkeit.
Zwischen Idee und Validierung liegen plötzlich Stunden statt Monate. Das reduziert Risiko. Für Gründer, für Investoren, für Unternehmen.
Die eigentliche Zumutung
Am Ende richtet sich das Gespräch weniger an Startups als an etablierte Organisationen.
Wer Innovation will, muss sie ermöglichen. Kleine Experimente, echte POCs, Offenheit gegenüber unreifen Lösungen.
Startups scheitern selten an der Idee. Sie scheitern an Strukturen, die keine Bewegung zulassen. Zentraleinkauf ist kein Innovationspartner.
Die Einladung ist klar. Weniger reden, mehr machen. KI nicht als Heilsversprechen behandeln, sondern als Werkzeug in einem klaren Prozess.
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