Gregor Lietz spricht mit Norman Müller darüber, warum die Akte durch KI plötzlich wieder zu einem strategischen Thema wird. Im Zentrum steht die Frage, ob KI-Agenten Organisationen wirklich souveräner machen oder nur die Unordnung automatisieren, die vorher nie gelöst wurde. Es geht um Dokumentenmanagement, Wissensmanagement, digitale Souveränität, demografischen Wandel und die Frage, wie Unternehmen ihr vorhandenes Wissen endlich nutzbar machen. Gregor zeigt, warum KI nicht nur beim Ablegen hilft, sondern zur Grundlage besserer Entscheidungen und wissensbasierter Prozesse werden kann.
00:00 Warum die Akte durch KI wieder relevant wird
01:01 Vom Ablageproblem zum neuen Dokumentenmanagement
05:40 Autonomes Ablegen statt besserer Chatbot
07:52 Wissen als Machtzentrum in Organisationen
11:03 Digitale Souveränität und geschützte Unternehmensdaten
14:14 Warum klassische Systeme das Wissensproblem nicht lösen
17:57 Von Dokumenten zu wissensbasierter Prozesssteuerung
20:29 Warum KI Ordnung nicht ersetzt, sondern ermöglicht
24:03 Demografischer Wandel und der drohende Wissensverlust
29:45 Warum KI für Menschen arbeiten muss
36:23 Der konkrete Nutzen für CEOs
43:19 Haftung, Human in the Loop und Verantwortung
52:48 Gregors Antwort auf die Schlussfrage
Es gibt Begriffe, die klingen nach Kellerregal, Behörde und Faxgerät. Die Akte gehört dazu. Sie riecht nach Verwaltung, nicht nach Zukunft. Nach Vorgang, nicht nach Transformation. Und doch führt ein ernsthaftes Gespräch über künstliche Intelligenz in Organisationen genau dorthin zurück.
Nicht zur Akte als Papierstapel. Sondern zur Akte als Struktur. Als Gedächtnis. Als Ort, an dem Entscheidungen, Verträge, Vorgänge, Mails, Fachwissen und Verantwortung zusammenlaufen. Wer über KI-Agenten spricht, ohne über Akten, Dokumente und Wissensbestände zu sprechen, spricht oft über Automatisierung ohne Fundament.
Gregor Lietz beschäftigt sich seit mehr als 35 Jahren mit Dokumenten, Geschäftsprozessen und Verwaltungsdigitalisierung. Sein Ausgangspunkt für Agile Office war erstaunlich unspektakulär: zu viele Dokumente, zu viel tägliche Ablage, zu wenig brauchbare Werkzeuge. Die Aufgabe klang klein. Ein System sollte helfen, Dokumente richtig abzulegen und später wiederzufinden. Doch aus dieser Alltagsfrage wurde eine strategische Frage: Was muss eine Organisation wissen, damit KI sinnvoll in ihr arbeiten kann?
Ablage ist noch kein Wissen
Der Unterschied ist entscheidend. Viele Unternehmen setzen KI noch wie einen besseren Assistenten ein. Der Mensch sagt, wohin ein Dokument gehört. Das System nimmt ein paar Klicks ab. Das ist bequem, aber keine Transformation. Der eigentliche Sprung beginnt dort, wo ein System selbst versteht, was ein Dokument ist, in welchen Zusammenhang es gehört und welches Wissen daraus für die Organisation entsteht.
Lietz spricht deshalb von autonomer Ablage, autonomem Finden und selbstständigem Arbeiten. Nicht als Showeffekt, sondern als Antwort auf ein sehr reales Problem: Organisationen wissen oft nicht, was sie wissen. Der alte Siemens-Satz fällt im Gespräch: Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß. Er trifft bis heute nicht nur Konzerne, sondern Mittelständler, Verwaltungen, Verbände und gewachsene Institutionen.
Das Wissen liegt nicht an einem Ort. Es liegt in Postfächern, DMS-Systemen, ERP-Systemen, Fachverfahren, Laufwerken, Archiven, Tickets, Angeboten, Verträgen und Protokollen. Jeder Bereich hat seine eigenen Töpfe. Jeder Bereich hat seine eigene Suchlogik. Und oft gibt es Personen, deren Macht genau darin liegt, dass nur sie wissen, wo etwas liegt.
KI verändert diese Machtstruktur. Nicht automatisch zum Guten, aber grundsätzlich. Wenn ein intelligentes System verteilte Dokumente erschließen, verbinden und befragbar machen kann, wird Wissen weniger abhängig von einzelnen Personen. Das ist kein kleines Effizienzthema. Es berührt Führung, Verantwortung und Souveränität.
Demografie macht Wissensmanagement dringend
Besonders stark wird das Gespräch dort, wo es um den demografischen Wandel geht. Viele Organisationen verlieren in den nächsten Jahren erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit ihnen verschwindet nicht nur Arbeitszeit. Es verschwindet implizites Wissen, das nie sauber dokumentiert wurde. In Verwaltungen und Unternehmen ist das kein Zukunftsproblem, sondern ein laufender Prozess.
KI kann hier helfen, aber nur unter einer Bedingung: Sie muss mit dem richtigen Wissen versorgt werden. Agenten, die Prozesse unterstützen, Angebote vorbereiten, Qualitätssicherung beschleunigen oder Vorgänge einschätzen sollen, brauchen Kontext. Lietz beschreibt Agile Office deshalb auch als eine Art Onboarding-Maschine für KI-Agenten. Neue digitale Mitarbeiter müssen befähigt werden, bevor sie sinnvoll arbeiten können.
Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung. KI-Agenten werden nicht einfach angeschaltet. Sie werden eingebunden. Sie brauchen Rollen, Regeln, Zugriff, Grenzen und Wissen. Genau hier trennt sich echte KI-Transformation von Spielerei.
Wenn erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen, verschwindet nicht nur Arbeitskraft. Es verschwindet Kontext. Es verschwinden Entscheidungslogiken. Es verschwinden informelle Abkürzungen, die nie dokumentiert wurden.
Der Mensch bleibt der Maßstab
Gleichzeitig warnt Lietz vor einer KI-Euphorie, die sich von menschlichen Zielen löst. Nicht alles, was glänzt, ist nützlich. Nicht jeder Agent braucht den nächsten Agenten, der ihm Arbeit liefert. Der Empfänger der KI-Arbeit muss der Mensch bleiben. Sonst entsteht eine absurde Ökonomie aus Systemen, die Angebote schreiben, lesen, ausführen und bewerten, ohne dass klar bleibt, welchem menschlichen Zweck das dient.
Die Haftungsfrage zeigt, wie wichtig diese Grenze ist. Wenn ein KI-Agent Dokumente falsch einordnet oder eine Entscheidung auf unvollständiger Aktenlage vorbereitet, wer trägt Verantwortung? Lietz verweist auf Kennzeichnungspflichten und den EU AI Act, bleibt aber pragmatisch: Der Mensch muss in der Verantwortung bleiben. KI soll vorbereiten, beschleunigen und verbessern. Sie soll nicht heimlich die Entscheidung übernehmen.
Für CEOs ist die Botschaft unbequem und klar. Wer KI ernsthaft nutzen will, muss nicht zuerst fragen, welches Tool gerade modern ist. Er muss fragen: Wo liegt unser Wissen? Wer kann darauf zugreifen? Welche Systeme sprechen nicht miteinander? Welche Entscheidungen treffen wir heute auf unvollständiger Informationsbasis? Und wie schaffen wir eine Struktur, in der KI-Agenten produktiv arbeiten können, ohne Kontrolle und Verantwortung zu verlieren?
Die alte Akte war ein Verwaltungsinstrument. Die neue Akte könnte ein strategischer Wissensraum werden. Nicht, weil Dokumente plötzlich sexy sind. Sondern weil jede Organisation nur so intelligent handeln kann, wie ihr Wissen zugänglich, verlässlich und nutzbar ist.
KI macht aus Unordnung keine Strategie. Aber sie kann Organisationen helfen, ihre verborgene Ordnung zu finden. Genau darin liegt die Chance.
Shownotes
In dieser Folge des Venture AI Podcasts spricht Norman Müller mit Gregor Lietz über Dokumentenmanagement, Wissensmanagement und die Frage, warum KI-Agenten ohne saubere Informationsgrundlage kaum sinnvoll in Organisationen arbeiten können.
Gregor Lietz beschäftigt sich seit mehr als 35 Jahren mit Dokumenten, Geschäftsprozessen und Verwaltungsdigitalisierung. Aus einem persönlichen Ablageproblem entstand bei ihm die Plattform Agile Office. Im Gespräch geht es darum, wie KI Dokumente nicht nur schneller verarbeitet, sondern verteiltes Organisationswissen erschließen, nutzbar machen und für bessere Entscheidungen verfügbar machen kann.
Zentrale Themen der Folge:
Warum Dokumentenmanagement durch KI strategisch neu relevant wird
Der Unterschied zwischen Ablage, Suche und echtem Wissensmanagement
Warum viele Unternehmen zwar Dokumente besitzen, aber ihr Wissen nicht aktiv nutzen
Wie KI-Agenten in Organisationen fachlich onboarded werden müssen
Was demografischer Wandel und Wissensverlust für Unternehmen und Verwaltungen bedeuten
Warum SharePoint, Mailboxen und DMS-Systeme allein noch kein Gesamtbild liefern
Welche Rolle Konnektoren, Prozessplattformen und wissensbasierte Steuerung spielen
Warum der Mensch trotz KI in der Verantwortung bleiben muss
Was CEOs aus alten Dokumentenbeständen für bessere Entscheidungen gewinnen können
Kontakt:
Gregor Lietz bei LinkedIn
A & O Software GmbH: https://a-and-o.com
Nicht jeder KI-Dienstleister ist ein Umsetzungspartner.
Genau deshalb bauen wir im Bundesverband für KI-Transformation e.V. das Venture AI Execution Partner Programm auf.
Wir suchen Unternehmen, Beratungen, Technologieanbieter und Umsetzungspartner, die KI nicht nur erklären, sondern tatsächlich in Organisationen bringen.
Mit belastbaren Lösungen. Mit nachweisbarer Kompetenz. Mit dem Anspruch, KI-Transformation messbar voranzubringen.
Das Venture AI Execution Partner Programm soll Unternehmen Orientierung geben und gleichzeitig den besten Umsetzungspartnern im Markt mehr Sichtbarkeit, Zugang und Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.
Als Venture AI Execution Partner profitierst du unter anderem von:
Positionierung als qualifizierter Umsetzungspartner im Netzwerk des Bundesverbandes
Zugang zu Unternehmen mit konkretem Transformationsbedarf
Einbindung in Projekte, Execution Teams und Initiativen
Sichtbarkeit über unsere Plattformen, Veranstaltungen und Formate
Vernetzung mit Entscheidern, Experten, Startups und Technologiepartnern
einem Qualitätsrahmen, der Kompetenz von bloßem KI-Marketing unterscheidet
Wichtig:
Venture AI Execution Partner kann nicht einfach jeder werden.
Voraussetzung ist die Mitgliedschaft im Bundesverband für KI-Transformation e.V. sowie die entsprechende Qualifizierung über unseren Venture AI Excellence Award.
Wir wollen kein möglichst großes Partnerverzeichnis.
Wir wollen ein Netzwerk derjenigen aufbauen, die KI-Transformation in Deutschland wirklich umsetzen können.
Dein Unternehmen gehört dazu?
Dann findest du auf unser Website weitere Informationen, wie du in das Partnerprogramm aufgenommen werden kannst.
Wenn du uns dabei unterstützen möchtest, diesen Podcast zu einer Allianz von Zukunftsarchitekten der KI-Transformation zu machen, in der wir offen über Chancen, Risiken und reale Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz sprechen, dann abonniere uns auf Substack, YouTube, Spotify oder Apple Podcasts. Dein Abonnement kostet dich nichts, hilft uns aber sehr, noch mehr herausragende Persönlichkeiten für tiefgehende und inspirierende Podcast Gespräche zu gewinnen. Vielen Dank für deinen Support.
Darüber hinaus laden wir dich ein, Teil der Plattform des Bundesverbands für KI-Transformation e.V. zu werden. Hier vernetzen sich mittelständische Unternehmen, KI Expertinnen und Experten, Startups sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung und Wissenschaft, um Wissen zu teilen, Erfahrungen auszutauschen und um an konkreten KI-Projekten zu arbeiten. In unserer Podcast Community kannst du dich einbringen, mitdiskutieren und den Bundesverband als Mitglied aktiv unterstützen und mitprägen.
Zur Plattform:
https://www.venture-ai-germany.space
Vernetze dich mit Norman auf LinkedIn:










