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Wer übernimmt die Verantwortung für selbst entwickelte KI-Software? (#1305)

Podcast Talk mit Marek Chroust

Mit KI können Unternehmen eigene Anwendungen schneller entwickeln. Im Gespräch mit Marek Chroust, Gründer von MCS Consult, geht Norman Müller der Frage nach, wie daraus verlässliche Unternehmenssoftware und neue Angebote für Kunden entstehen. Marek beschreibt Erfahrungen mit CRM, Zeiterfassung und Schatten-IT und erläutert den Ansatz von CONTOPS 360. Im Mittelpunkt stehen klare Anforderungen, menschliche Freigaben und die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen, IT und Geschäftsführung.

  • 00:00 Eigene Software und die Frage nach Verantwortung

  • 03:07 Mareks Weg zur Plattform CONTOPS 360

  • 06:25 Wie KI die individuelle Softwareentwicklung verändert

  • 10:10 Ein Handwerksbetrieb entwickelt seine eigene Zeiterfassung

  • 12:48 Warum Datenmodelle und Standards wichtig bleiben

  • 16:02 Vibe Coding und strukturierte Anwendungsentwicklung

  • 19:35 Vom CRM-Prototyp zum Betrieb bei Hetzner

  • 22:32 Software an die Arbeit im Unternehmen anpassen

  • 27:31 Fehlerhafte Workflows und menschliche Qualitätsprüfung

  • 29:23 Für wen der Ansatz passt und wie Schatten-IT entsteht

  • 38:10 Entwicklung und IT-Betrieb zusammenbringen

  • 41:05 Verantwortung zwischen Fachbereich und Geschäftsführung

  • 47:05 Neue Geschäftsmodelle und schnellere Marktreaktionen

  • 49:28 Das Gedankenexperiment mit dem Getränkegroßhandel

  • 55:00 Fragen für eine Fortsetzung

  • 57:39 Mareks Schlussgedanke zur menschlichen Kontrolle


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Shownotes

Marek Chroust ist Gründer und Inhaber von MCS Consult, das er 2009 als Management- und IT-Beratung aufgebaut hat. Er bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung in IT-Transformation und der Steuerung großer Projekte mit. Von 2018 bis Ende 2025 war er Mitgründer und CFO des IT-Serviceproviders omniIT. Seit Ende 2025 treibt er die Entwicklung von CONTOPS 360 voran. Daneben organisiert er unter der Marke MCS events geführte mehrtägige Motorradtouren.


Eigene Software verändert die Verantwortung der Geschäftsführung

Ein Handwerksunternehmer entwickelt nachts seine eigene Zeiterfassung. Tagsüber führt er einen Metallbetrieb. Er möchte die Software an seine Arbeit anpassen und stößt auf fehlende Schnittstellen zu seinem ERP-System. Im Gespräch erzähle ich Marek Chroust von diesem Fall. Der Unternehmer denkt bereits darüber nach, gemeinsam mit anderen Betrieben ein eigenes System zu bauen.

In dieser Geschichte steckt eine Frage, mit der sich Geschäftsführungen beschäftigen sollten: Wie viel von der eigenen Arbeitsweise haben sie bisher einem Softwareanbieter überlassen? Unternehmen kaufen Programme, richten sie ein und gewöhnen ihre Mitarbeiter an die vorgesehenen Abläufe. Wer einen besonderen Prozess braucht, muss für Anpassungen bezahlen, auf eine Schnittstelle warten oder mit einer Behelfslösung arbeiten.

KI-gestützte Entwicklung erweitert den Handlungsspielraum. Fachbereiche können Anforderungen formulieren und erste Anwendungen ausprobieren. Marek, Gründer von MCS Consult, beschreibt im Venture AI Podcast, wie sein Team dafür einen Rahmen entwickelt hat. Mit CONTOPS 360 will es den Weg von der Anforderung über Prüfung und Freigabe bis zum laufenden Betrieb organisieren. Seine Beispiele führen zu einer Führungsaufgabe: Wer eigene Software nutzt, muss auch entscheiden, wer sich dauerhaft um sie kümmert.

Die Fachbereiche kennen die Arbeit

Marek berichtet von einem CRM, für das sein Team zuvor Salesforce nutzte. Nach seiner Schätzung brauchte es nur einen kleinen Teil des Funktionsumfangs. Also beschrieb das Team zunächst die eigenen Abläufe: Wie entstehen Kontakte, Kundenbeziehungen und Projekte? Was muss die Anwendung dafür können? Daraus entwickelte es mit Lovable einen Prototypen. Als weiteres Beispiel nennt er Zeiterfassung und Projektabrechnung.

Interessant ist die Reihenfolge. Die Beteiligten mussten sich zuerst verständigen, wie sie arbeiten. Ein Unternehmen kann mit KI auch einen unklaren Prozess in Software übersetzen. Es bekommt dann eine Anwendung, in der die Unklarheit weiterlebt.

Deshalb gehören die Menschen in die Entwicklung, die den Ablauf kennen. Sie wissen, an welcher Stelle Mitarbeiter Daten mehrfach eingeben, welche Freigabe wartet und welche Information später bei der Abrechnung fehlt. Dieses Wissen muss in die Anforderungen eingehen. Die Geschäftsführung sollte dafür Zeit und Verantwortliche benennen.

Der Betrieb braucht eigene Entscheidungen

Ein besonders aufschlussreicher Fall stammt aus der Baubranche. Marek berichtet von einem Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern, dessen Fachbereiche 14 Anwendungen an der zentralen IT vorbei entwickelt hätten. Teilweise seien diese mit dem ERP-System verbunden gewesen. Nach seiner Darstellung fehlten ausreichende Vorkehrungen für sicheren und verlässlichen Betrieb. Eine unabhängige Prüfung des Falls liegt uns nicht vor.

Das Beispiel zeigt, welche Fragen mit der Entwicklung entstehen. Wer darf auf die Daten zugreifen? Wer stellt die Anwendung nach einem Ausfall wieder her? Wer prüft eine Änderung, bevor Mitarbeiter damit arbeiten? Wer kennt die Abhängigkeiten zum ERP-System?

Marek beschreibt auch Workflows, die KI anders umgesetzt habe als erwartet. Menschen mussten die Ergebnisse prüfen und die Anforderungen genauer formulieren. Diese Prüfung ist Teil der Entwicklungsarbeit. Ein ansprechender Bildschirm sagt wenig darüber aus, ob ein Prozess bei unvollständigen Angaben, falschen Berechtigungen oder einer unterbrochenen Verbindung noch richtig funktioniert.

Für die Geschäftsführung folgt daraus: Sie sollte vor dem Einsatz festlegen, wer fachlich prüft, wer technisch freigibt und wer den laufenden Betrieb verantwortet. Diese Rollen können je nach Unternehmensgröße unterschiedlich verteilt sein. Die Aufgaben bleiben bestehen.

Die IT braucht einen gemeinsamen Auftrag

Marek beobachtet unterschiedliche Reaktionen innerhalb der IT. Entwicklungsbereiche nutzen aus seiner Sicht die neuen Werkzeuge oft früher. Menschen im Betrieb fragen stärker danach, welche Anwendungen sie übernehmen sollen und ob sie dafür genügend Dokumentation erhalten.

Diese Zurückhaltung ist verständlich. Wer den Betrieb verantwortet, muss auch dann handeln können, wenn der ursprüngliche Entwickler das Unternehmen verlässt. Fachbereiche wiederum brauchen einen Weg, ihre Ideen zu erproben und gute Anwendungen weiterzuentwickeln.

Im Gespräch diskutieren wir deshalb eine Organisation mit fachlichen Product Ownern und einer übergreifenden Architekturverantwortung. Ein Chief AI Officer oder eine Stabsstelle könnte das Thema auf Geschäftsführungsebene vertreten. Ob ein Unternehmen diese Titel braucht, hängt von seiner Größe ab. Es muss aber jemanden geben, der Entwicklung, bestehende Systeme und Betrieb zusammenführt und Entscheidungen treffen darf.

Zu diesen Entscheidungen gehört auch die Wirtschaftlichkeit. Für ein eigenes CRM fallen über die Entwicklung hinaus Kosten an: Betreuung, Sicherheitsprüfung, Änderungen und Betrieb. Das Gespräch liefert dafür keine belastbare Vergleichsrechnung. Unternehmen sollten diese Kosten gegen eine passende Standardlösung rechnen, bevor sie sich für den Eigenbau entscheiden.

Neue Angebote müssen sich beim Kunden bewähren

Gegen Ende entwerfe ich ein Gedankenexperiment: Ein Getränkegroßhändler könnte seine Kunden in der Gastronomie gezielter bei Sortiment und Nachbestellung unterstützen. Er kennt bisherige Bestellungen und könnte zusätzliche Informationen über Nachfrage oder Trends einbeziehen. Daraus ließe sich eine Leistung entwickeln, die über die Lieferung von Getränken hinausgeht.

Die im Gespräch genannten Umsatzsteigerungen sind hypothetische Größen. Wir präsentieren weder einen gemessenen Kundenerfolg noch eine Zusage. Die spannende Frage lautet, ob Gastronomen für einen solchen Service bezahlen würden und ob er ihnen im Alltag hilft.

Marek sieht den wirtschaftlichen Nutzen KI-gestützter Entwicklung vor allem in der schnelleren Anpassung an Veränderungen. Unternehmen könnten neue Ideen früher ausprobieren. Für die Geschäftsführung wäre ein sinnvoller nächster Schritt, eine konkrete Kundenleistung auszuwählen, einen begrenzten Versuch zu organisieren und vorher festzulegen, woran sie dessen Nutzen erkennt.

Damit führt das Gespräch zurück zum Anfang. Ein Unternehmer kann heute mehr von seiner Software selbst gestalten. Er entscheidet damit auch über neue Abhängigkeiten, laufende Aufgaben und Verantwortung. Diese Entscheidungen verdienen ebenso viel Aufmerksamkeit wie die erste funktionierende Anwendung.


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